Wandern mit GPS

Ohne Wanderkarte und markierte Wege!

 

Für weite Gebiete in Europa gibt es keine oder nur sehr schlechte Karten. In diesen Ländern leben viele Menschen nach alten Traditionen auf dem Land, der Motorisierungsgrad ist gering, Fußpfade, Reit- und Karrenwege verbinden die Dörfer und die Häuser der Streusiedlungen, Forstwege erschließen die Wälder, Almwege die Höhenlagen. Beste Voraussetzungen für Weitwandern! Aber ohne Karte und ohne Markierung? Kann man das wagen?

 

GPS = Globales Positionsbestimmungssystem (satellitengestützt) macht’s möglich!

 

Vorbemerkung: Unsere Erfahrungen beruhen auf der langjährigen Nutzung von Geräten des Marktführers und Erfinders von Outdoor-Navigationsgeräten Garmin. Verwendet wurden die Modelle Gecko 201, Etrex Summit, Etrex VistaHC und verschiedene Geräte der Serie GPSmap62. Garmin arbeitet mit dem Format GPX. Andere Anbieter verwenden unterschiedliche Formate, die mit Konvertierungsprogrammen wie EasyGeo in GPX oder andere Formate umgewandelt werden können.

 

Viele Wanderer, vor allem ältere, verlassen sich ausschließlich auf markierte Wege, Wanderkarten aus Papier und Wegbeschreibungen in gedruckten Wanderführern. Kein Problem, solange man sich in gängigen Wandergebieten bewegt. Aber von einigen attraktiven Wandergebieten existieren keine Hilfen dieser Art – oder es gibt nur GPS-Routen oder -Tracks zum Herunterladen.

Wie funktioniert das? Was kann ein GPS-Gerät?

 

1. Funktion

Weit über 30 Satelliten umkreisen in 20 000 km Höhe die Erde und senden Signale aus, die von den GPS-Geräten empfangen werden. Empfängt ein Gerät die Signale von mindestens 4 Satelliten, kann es daraus seine Position im Gradnetz der Erde berechnen, und zwar bis auf wenige Meter genau. Außerdem kann es die Höhe über dem Meer errechnen, die Himmelsrichtungen und die Uhrzeit angeben und daraus wieder viele weitere Angaben ausrechnen, z. B. Geschwindigkeiten oder Steigungen.

 

2. Wegpunkte

Wegpunkte sind das Fundament der Navigation mit dem GPS-Gerät: Die errechneten Koordinaten einer Position werden im Gerät gespeichert. Die bekannten Koordinaten eines Zielpunktes können aber auch von Hand eingegeben oder aus dem Internet heruntergeladen werden.

Aus der Liste der gespeicherten Wegpunkte wird der gesuchte Punkt ausgewählt und mit der „Gehe-zu-Funktion“ zur Navigation aufgerufen. Dann führt uns das Gerät wie ein Auto-Navi sicher zum Ziel = Wegpunkt.

Die Wegpunkt-Funktion ist die Grundlage für die moderne Schatzsuche Geocaching.

 

3. Routen

Eine Reihe von Wegpunkten mit definierten Anfangs- und Endpunkten nennt man Route. Solche Routen werden im Internet zum Herunterladen angeboten, wozu nur das kostenlose Programm EasyGPS von Topografix benötigt wird – und eine Verbindung zwischen Rechner und GPS-Gerät, meist ein Kabel. Inzwischen gibt es aber auch kabellose Verbindungen.

Auf der Grundlage digitaler Karten (meist OVL-Format) oder von GoogleEarth (KML-Format), aber auch nur von Kartenbildern (JPG-Format) lassen sich beliebige Routen mit Mausklicks aufzeichnen, speichern und auf das GPS-Gerät überspielen. Wichtig ist dabei die vorherige Konvertierung in das GPX-Format. Die dazu im Internet erhältlichen kostenlosen Programme sind alle nicht ohne Schwächen, so dass sich der Kauf eines professionellen Konvertierungsprogramms wie EasyGeo lohnt. Hier gibt es außerdem ein Programm zur Georeferenzierung von Kartenbildern, die dann wie digitale Karten verwendbar sind.

Nach dem Aufrufen der „Gehe-zu-Funktion“ führt das GPS-Gerät von Wegpunkt zu Wegpunkt und schließlich zum Ziel.

Eine ausführliche Anleitung zur Erstellung eigener Routen mit GoogleEarth oder digitalen Karten finden Sie hier.

 

4. Tracks

Diese Funktion dient zur automatischen Aufzeichnung eines zurückgelegten Wegs durch die Abspeicherung vieler Wegpunkte. Der gespeicherte Track kann wieder aufgerufen werden und als Route verfolgt werden. Man kann den Track umkehren und den Weg so zurück verfolgen und schließlich kann er auf den Rechner (digitale Karte oder GoogleEarth) übertragen und dargestellt werden. Die Tracks der meisten Wanderwege werden im Internet von den Wegbetreibern zum kostenlosen Herunterladen angeboten.

Vor dem Aufzeichnen eines eigenen Tracks müssen aktuelle Tracks auf dem GPS-Gerät gelöscht und alle Reisedaten zurückgesetzt werden. Eine gänzlich automatische Aufzeichnung ist nicht günstig, da viele sinnlose Wegpunkte aufgenommen werden. Bewährt hat sich eine Aufzeichnung im 10-m-Intervall mit Anzeige auf der Karte, sofern möglich.

Nach dem Aufzeichnen wird der Track gespeichert (archiviert), die Track-Funktion ausgeschaltet und der aktuelle Track gelöscht.

 

5. Einstellungen

Die meisten GPS-Geräte werden mit Werkseinstellungen ausgeliefert, die für Wanderer völlig sinnlos sind. Das individuelle Einstellen beginnt mit der verwendeten Sprache (Deutsch), den Maßeinheiten (metrisch, MEZ), den Koordinatensystemen (Grad, Minuten, Tausendstelminuten oder Grad, Minuten, Sekunden, Zehntelsekunden und WGS 84), geht über zu den darzustellenden Hauptseiten (Hauptmenü, Karte, Höhenprofil, Kompass, Reisecomputer) und endet mit den darzustellenden Daten (Auswahl aus bis zu 38 verschiedenen Daten, z.B. Nächster Wegpunkt, Richtung z. n. WP, Distanz z. n. WP, Distanz z. Ziel, Kurs, Kursabweichung, Höhe über d. Meer, Tagesstrecke, Zeit in Bewegung/Gehzeit, aktuelle Position im Gradnetz, Ziel, Ankunftszeit am n. WP, Ankunftszeit am Ziel, Gesamtanstieg, maximale Höhe …).

Ganz entscheidend ist die Wahl der Navigationsart: Es muss „Luftliniennavigation“ eingestellt werden. Andernfalls verweist das Gerät den Wanderer bei längeren Routen mit vielen Wegpunkten immer auf die nächste Straße, was ja überhaupt nicht Sinn der Sache ist. Luftliniennavigation bedeutet aber auch, dass die angegebenen Horizontalentfernungen immer geringer als die tatsächliche Entfernung sind, denn das Gerät lässt die durch Auf- und Abstiege verlängerte Wegstrecke außer Acht.

 

6. Karten

Einfache, kostengünstige Geräte besitzen meist nur eine installierte Welt-Grundkarte, was für viele Navigationen ausreicht. Gute Geräte besitzen entweder vorinstallierte Karten bis zum Grundmaßstab 1 : 25 000 oder einen Kartensteckplatz für digitale Karten auf MicroSD-Datenträger. Diese Karten gibt es im Handel für fast alle europäischen und einige weitere Länder, aber sie sind z. T. sehr teuer. Viele digitale Karten in unterschiedlicher Qualität findet man zum Herunterladen im Internet: Z.B. Openstreetmap, Openmtbmap, Garmin-Wanderreitkarte, Garmin-Opentopomap oder GPSies

 

7. Stromversorgung, Empfang

Bei intensiver Navigation wird ein Batteriewechsel alle 2 bis 3 Tage nötig. Daher ist Akkubetrieb mit einem leichten Ladegerät und immer geladenen Ersatzakkus die günstigere Variante – und außerdem viel umweltfreundlicher.

Moderne Geräte haben einen sehr guten Empfang, sogar im Wald und in tief eingeschnittenen Tälern. Dennoch empfiehlt Garmin seinen Kunden die Kontrolle der Navigation mit einem Kompass und einer Karte, zumal vor allem ältere Geräte nicht völlig wasserdicht sind und bei geringer Akku- oder Batteriespannung die Anzeige ungenau wird und das Gerät ziemlich plötzlich seinen Dienst aufgibt.